Schlechte Aussichten fürs Bürowetter? Das Teamklima beeinflussen.

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Wenn Sie eine Wettervorhersage für das das Teamklima der nächsten Woche machen müssten, wie würde die aussehen? Wird es wieder heiß durch Konflikte oder Projekte, die überkochen? Oder herrscht bei Ihnen eher eisige Kälte, da die Stimmung unter dem Gefrierpunkt ist? Das reale Wetter draußen können Führungskräfte nicht beeinflussen – das Teamklima schon.

Eine gute Arbeitsatmosphäre, persönliche Zufriedenheit und Gesundheit gehen Hand in Hand. Wenn im Büro eine kollegiale, konstruktive und freundliche Stimmung herrscht, fördert dies das Wohlbefinden und die Produktivität jedes einzelnen Mitarbeiters und des gesamten Teams. Ist das Gegenteil der Fall, führt das früher oder später zu persönlichem Frust, Ärger und Spannungen unter den Kollegen.

Letztendlich geht es um die Frage, ob Mitarbeiter sich bei Ihnen im Team wohlfühlen oder nicht.

Ignorieren das Unternehmen und die verantwortlichen Führungskräfte das schlechte Betriebsklima und entsprechende Warnsignale über einen längeren Zeitraum, riskiert sie, dass nicht nur die Arbeit und die Leistung von Teams leiden. Die Mitarbeiter resignieren oder werden krank – nicht selten der erste Schritt zur inneren oder realen Kündigung.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich sowohl die Führungskräfte als auch die Mitarbeiter aktiv für ein gutes Betriebsklima einsetzen.

Sie sind als Führungskraft Vorbild. Ihre persönliche Laune und Ihr Verhalten schlagen direkt auf die Mitarbeiter durch.

Warum eine gute Arbeitsatmosphäre so wichtig ist

Die meisten Angestellten verbringen fast einen Drittel ihres Tages am Arbeitsplatz. Da verwundert es kaum, dass die Arbeitsatmosphäre sich direkt auf die allgemeine Zufriedenheit und die Gesundheit der Mitarbeiter auswirkt. Zu diesem Schluss kam der Fehlzeiten Report der AOK. Das Ergebnis: Je besser das Betriebsklima ist, desto weniger klagen die Befragten über psychische und körperliche Beschwerden.

Im Umkehrschluss lässt sich daraus ableiten: Ein schlechtes Betriebsklima macht Menschen krank. Neben körperlichen Beschwerden kann langanhaltender Stress und ständiger Druck zu psychischen Symptomen wie Niedergeschlagenheit, Depressionen oder sogar zum Burnout führen. Steigt dann der Leistungs- und Zeitdruck bei den Kollegen durch Ausfälle an, wirkt sich dies auf deren eigene Stimmung aus. Nicht selten entwickelt sich daraus ein verheerender Domino-Effekt: Nach und nach fallen immer mehr Mitarbeiter aus und die Mitarbeiterfluktuation im Unternehmen nimmt zu.

Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Problem ist Mobbing. Wo das Arbeitsklima schlecht ist und der Stresspegel aufgrund einer hohen Arbeitsbelastung, unklarer Organisation oder anderer Probleme hoch ist, lassen Mitarbeiter ihren Frust leichter an Kollegen aus. Auch hier besteht die Gefahr, dass ein belastender Teufelskreis entsteht, der produktives Arbeiten schwer bis unmöglich macht.

Was sind die Anzeichen für ein schlechtes Betriebsklima?

Sie haben es sicher schon erlebt: Sie betreten einen Raum und haben sofort ein Gefühl von Unbehagen. Oft drücken Menschen solche intuitiven Empfindungen in bildlicher Sprache aus, etwa durch Aussagen wie: „Im Büro herrscht dicke Luft“.

Was Menschen oft als ungutes Gefühl wahrnehmen, zeigt sich konkret an verschiedenen Symptomen:

  • fehlende Hilfsbereitschaft im Team
  • ein unfreundlicher Umgangston
  • fehlende Kommunikation
  • Egoismus, eine „Jeder-gegen-Jeden“-Mentalität
  • Passivität
  • Lästern, Anschwärzen von Kollegen

Außerdem kann ein schlechtes Betriebsklima Mobbing begünstigen oder zum Nährboden für Intrigen werden.

Ein schlechtes Betriebsklima führt in eine Abwärtsspirale, die Laune, Motivation und Produktivität nach unten reißt.

Die Folgen lassen meist nicht lange auf sich warten: die Motivation der Mitarbeiter nimmt ab, die Arbeitsleistung wird auf ein Mindestmaß beschränkt und an ein produktives Arbeiten im Team ist nicht mehr zu denken. Auch ein auffallend hoher Krankenstand kann ein Indiz dafür sein, dass es im Team Probleme gibt.

Annähern und Vermeiden kombinieren

In der Regel ist ein schlechtes Betriebsklima das Ergebnis einer längeren Entwicklung, die bereits über einen gewissen Zeitraum geht und sehr verschiedene Ursachen haben kann. Hier gilt es zunächst eine Bestandsaufnahme durchzuführen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Wenn Sie Warnzeichen und typische Symptome eines schlechten Klimas erkennen, können Sie unterschiedliche Strategien wählen. Annäherungsstrategien zielen darauf ab, solche Verhaltensweisen bewusst zu kultivieren, die zu positiven Erlebnissen führen und die zwischenmenschlichen Beziehung verbessern.

Es ist fast unglaublich, welchen nachhaltigen Effekt simple Verhaltensweisen auf das Betriebsklima haben.

Dies kann u.a. erreicht werden durch:

  • Anerkennung der Arbeit
  • Unterstützung bei Aufgaben
  • positive, unterstützende Bemerkungen und motivierendes Feedback
  • gemeinsamen Mittagspausen und informeller Austausch

Vermeidungsstrategien gehen den umgekehrten Weg: Sie konzentrieren sich hauptsächlich darauf, negative Erlebnisse zu vermeiden. Dies kann beispielweise durch neue Regeln erreicht werden, die harsche Kritik oder negative Kommentare bei Besprechungen unterbinden.

Faktoren, die das Teamklima beeinflussen

Um das Betriebsklima messen zu können, betrachten Experten eine Reihe von Merkmalen. Folgende Faktoren werden beispielsweise in der Professional Fulfilment Teamanalyse (PFA-T) gemessen:

Sinn und Ziele

Sinn der Aufgaben und Ziele des Teams müssen klar definiert, verstanden und akzeptiert sein. Nur so ist gegeben, dass allen Teammitgliedern an einem Strang ziehen und die richtigen Prioritäten setzen können.

Beziehung und Kommunikation

In einem gut eingespielten Team akzeptieren sich die Teammitglieder, bauen gute Arbeitsbeziehungen zueinander auf, nutzen unterschiedliche Kompetenzen und Unterschiede in Sichtweisen und Persönlichkeiten konstruktiv und produktiv und kommunizieren zudem wertschätzend miteinander.

Verantwortungsübernahme

Wenn Mitarbeiter im Team Verantwortung übernehmen und selbständig Aufgaben ausführen und eine hohen Flexibilität im Arbeitsalltag beweisen, ist dies in den meisten Fällen Ausdruck von einer Identifikation mit den Zielen sowie Akzeptanz seiner Rolle.

Motivation

Die Motivation der Teammitglieder ist dabei Grundlage aber auch Folge des guten Umgangs miteinander sowie der akzeptierten Ziele. Ohne Motivation erzielt ein Team trotz Fähigkeiten, Kompetenzen und passenden Arbeitsprozessen und Tools keine Erfolge

Produktives Arbeiten

Nicht zuletzt spielt auch eine auf das Unternehmen abgestimmte, zu den Mitgliedern und Rollen passende und reibungslose Arbeitsweise eine große Rolle. Sie bestimmt maßgeblich die Produktivität des Teams, also Quantität und Qualität der gesamten Arbeitsleistung des Teams.

Das Teamklima ist ein komplexes Zusammenspiel von aufgabenorientierten und beziehungsorientierten Faktoren. Beide Bereiche müssen berücksichtigt werden.

Die Professional Fulfilment Teamanalyse zeigt für jeden der Bereiche sowohl ein individuelles Ergebnis als auch ein Teamergebnis. Das bietet einen guten Einstieg in eine Teamdiskussion und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsklimas.

10 Praxistipps für eine nachhaltige Verbesserung der Atmosphäre

Was können Sie als Führungskraft konkret tun? Mit diesen einfachen Tipps können Sie eine positive Atmosphäre fördern:

  1. Gemeinsame Ziele und Visionen

Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf die gemeinsamen Ziele statt auf Vergleiche (wie z. B. „Wer arbeitet mehr oder härter?“). Nutzen Sie die Kraft einer gemeinsamen Vision.

  1. Positive Kommunikation: was ist eigentlich gewünscht?

Achten Sie zukünftig darauf, wie geredet wird. Sind es eher Lästereien, Beschwerden und negative Stories aus der Vergangenheit? Wenn ja, dann ändern Sie das ab sofort: Erzählen Sie mehr positive Anekdoten, zum Beispiel über erfolgreiches Verhalten und gelungene Leistung. Vermeiden Sie dagegen negative Geschichten über (ehemalige) Kollegen und Geläster. Sprechen Sie darüber, was im Unternehmen oder im Team gewünscht ist, weniger darüber, was nicht gewünscht ist. So unterstützen Sie gezielt gewünschtes Verhalten und verändern das Gesprächsklima.

  1. Zeit für informelle Kommunikation einplanen

Unterstützen Sie die positive Kommunikation, indem Sie auch bei Dienstbesprechungen Zeit für den zwischenmenschlichen Austausch einplanen, z. B. 10 Minuten am Ende der Besprechung. Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter ein und lassen Sie diese zu Wort kommen. Gute Fragen für diesen Austausch sind: „Machen wir alles richtig in unserer Zusammenarbeit? Müssten wir etwas ändern? Gibt es Dinge, die in der Gruppe besprochen werden müssten? Gibt es etwas, dass hier einmal angesprochen werden muss? Mache ich als Führungskraft alles richtig?“

Am Anfang werden Mitarbeiter eher zögerlich auf das Angebot reagieren. Kritik wird kaum oder nur sehr vorsichtig geäußert. Wenn das Vertrauen über die Zeit wächst, wird der Austausch lebendiger. Anerkennung, aber auch Kritik und Verbesserungsvorschläge sind dann Teil eines wertschätzenden Austausches untereinander.

Geben Sie hier als Führungskraft nicht zu früh auf. Wenn die ersten Male kaum jemand etwas sagt, dann trinkt man eben nur zusammen noch einen Kaffee, bevor es zurück an die Arbeit geht. Mir haben Führungskräfte berichtet, dass die ersten Male fast peinliche Stille herrschen kann. Das gebe sich aber sehr schnell, wenn die Kollegen merken, dass vieles so schnell und unkompliziert angesprochen und erledigt werden kann.

  1. Immer wieder Wertschätzung und Anerkennung

Jeder braucht Anerkennung und das Gefühl, dass die eigene Leistung geschätzt wird. Zeigen Sie Ihre Wertschätzung, indem Sie Erfolge und gute Leistungen anerkennen. Sie werden merken, dass dann auch Mitarbeiter untereinander Anerkennung austauschen werden. Ehrliche gemeinte Wertschätzung und Anerkennung kosten nur wenig Aufwand und bringen für das Zusammenleben sehr viel. Dabei sollten Sie sich auf konkrete Verhaltensweisen beziehen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Persönlichkeitszuweisungen „Sie sind ein richtig guter Einkäufer!“ eher schädlich sind. Anerkennung in Bezug auf Verhaltensweisen „Wie Sie es immer schaffen, mit den schwierigen Kunden geschickt umzugehen, ist wirklich klasse.“ bringen da viel mehr.

  1. Konstruktive Kritik

Vermeiden Sie Schuldzuweisungen, sondern üben Sie konstruktive Kritik. Anstatt auf Fehlern rumzureiten, sollte der Fokus darauf liegen, wie Situationen bereinigt und Dinge nachhaltig verbessert werden können. Die größte Herausforderung ist hier für Führungskräfte, die eigenen Emotionen zu managen. Wenn Projekttermine eng sind, Vorgesetzte und Kunden gleichzeitig Druck machen, ist es nicht immer einfach, selbst die Ruhe zu bewahren und konstruktiv zu reagieren. Das heißt nicht, dass Sie alles gut finden müssen und Kritik nur in homöopathischen Dosen äußern sollen. Sie dürfen deutlich werden, nur konstruktiv und auf die Zukunft ausgerichtet sollte es sein.

  1. Reden ist Silber, zuhören ist Gold

Wann haben Sie sich das letzte Mal für einen Smalltalk mit einem Getränk zu Ihren Mitarbeitern gesetzt und mehr zugehört als selbst geredet? Randbemerkungen sind in Diskussionen oft entscheidend und können Aufschluss darüber geben, was eine Person wirklich fühlt und denkt. Deshalb gilt: Hören Sie genau hin und nutzen Sie die Gelegenheit für Nachfragen.

  1. Agieren Sie als Vorbild

Seien Sie sich über Ihre Vorbildfunktion bewusst. Ihre Laune, Ihre Einstellung und Ihr Verhalten haben direkte Auswirkungen auf die Stimmung im Team. Es ist ein Unterschied, ob Sie mit hängenden Mundwinkeln und einem mürrischen Blick ins Büro kommen oder ob man Ihnen die Freude an der gemeinsamen Arbeit ansieht.

  1. Fördern Sie Vertrauen

Kontrollieren Sie nicht alles bis ins Detail, sondern schenken Sie Vertrauen. Lassen Sie Mitarbeitern ausreichend Freiräume und Entscheidungsspielräume. Vertrauen untereinander muss wachsen. Gemeinsame Reflexionsrunden in den Dienstbesprechungen (siehe Punkt 3) unterstützen diesen Prozess.

  1. Gemeinsame Aktivitäten stärken das Wir-Gefühl

Schaffen Sie Zeiten und Räume, die dem Team gemeinsame positive Erlebnisse ermöglichen, z.B. durch Teamtage, Ausflüge oder andere gemeinsame Aktivitäten.

  1. Gestaltung des Arbeitsplatzes

Angemessene Arbeitsbedingungen sind wichtig, damit Mitarbeiter gut arbeiten können. Gehen Sie mit doch einmal mit einem kritischen Blick durch die Arbeitsräume. Die bewusste Gestaltung des Arbeitsplatzes kann eine gute Atmosphäre unterstützen.

  • Wirkt alles ordentlich und ansprechend oder sieht es einfach nur nach viel Arbeit aus?
  • Wie viel Platz und Gelegenheit bleibt für die individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes?
  • Gibt es Besprechungsecken mit gemütlichen Sitzgelegenheiten?
  • Können in den Büros die Temperatur und die Lichtverhältnisse individuell angepasst werden?

Viele Maßnahmen zur Arbeitsplatzgestaltung sind ohne große Investitionen umsetzbar.

Langfristig denken und am Ball bleiben.

Langfristig führen Strategien, die positive Erlebnisse fördern und alle Mitarbeiter aktiv einbeziehen zum Erfolg. Führungskräfte sind aufgrund ihrer Vorbildfunktion in einer wichtigen Rolle und können mit vorausschauendem Handeln die Atmosphäre am Arbeitsplatz nachhaltig beeinflussen. Das wichtigste Zauberwort bei allen Bemühungen ist jedoch ausreichende Kommunikation, die nur nicht aufgabenbezogen sein darf. Kommunikation, die sich am Menschen orientiert, ist das A und O eines guten Arbeitsklimas, in dem Offenheit und eine positive Grundstimmung herrschen.

Welche Erfahrungen haben Sie persönlich gemacht? Was hilft am besten? Und was bringt am wenigsten? Kommentieren Sie gern unterhalb dieses Blogs!

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